Angekommen. Tagebuch einer Ausgewanderten

Brief von der anderen Seite

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IMG 9106Die andere Seite

Die aktuellen Entwicklungen in der Türkei sind geprägt von den Protesten der „Säkulären“ – Kopftücher sieht man nicht sehr viele auf den Demonstrationen. Wwarum das so ist und warum es nach wie vor nicht zu Gegendemonstrationen kommt (die sicher leicht ausarten könnten in die von deutschen Medien bereits beschworenen „Bürgerkriegsähnlichen Unruhen“) erklärt dieser Offene Brief eines AKP-Anhängers, der in den sozialen Medien kursiert. Die Dinge, die in dem Artikel angesprochen werden, sind Fakt, das habe ich unabhängig voneinander schon von vielen hier gehört. Gerade in so einem Konflikt ist es aber wichtig zu wissen, was damals den ersten Erdrutschsieg von Erdogan ausgelöst hat:

http://www.yenialanya.com/gundem/yuzde-50-neden-sokaga-cikmiyor-h67488.html

Warum gehen die 50% nicht auf die Strasse?

Immer noch gibt es Menschen, die auch nach einer Woche „Taksim Gezi Park“ Aktionen nicht auf die Strasse gehen. Hier ist nun einer derjenigen, der zu den 50% gehört, die nicht auf die Strasse gehen gegen Erdogan, und er erklärt auch warum.

Wir wurden verachtet, weil unsere Mutter ein Kopftuch trug

Weil unsere Mutter ein Kopftuch trug, durfte sie nicht bei unserer Vereidigungszeremonie anwesend sein. Unsere Schwestern wurden von Schulen ausgeschlossen, durften nicht im öffentlichen Dienst arbeiten. Wir haben heimlich unsere Gebete verrichtet, riskierten, gefeuert zu werden oder gemobbt.

Wir wollten unseren Gott verehren und wurden Reaktionäre und Zurückgebliebene genannt. Unsere Kinder haben in der Schule Gebete verrichtet und wurden dafür mehr verachtet, als wenn sie Huren gewesen wären… Wir wurden von staatlicher Seite zu Bürgern zweiter Klasse erklärt, wir durften nicht Polizist werden und nicht die Offizierslaufbahn einschlagen. In Serien und Kinofilmen gab es nie Frauen mit Kopftüchern, ausser als Putzfrauen und Hilfskräfte.  Geehrt Wurden wir als tote Märtyrer, begraben im Elendsviertel, aber diese „Taksim Jugend“ soll würdig sein, den Staat zu verwalten? Weit gefehlt!

Aber wir wurden über Jahre verachtet und ausgeschlossen!

Aber niemals sind wir auf die Strasse gegangen und haben randaliert. Gegen den Staat haben wir nie rebelliert. Wir sind nie mit Töpfen in der Hand auf die Strassen geströmt. Wir haben dem Staat, der uns unterdrückt hat, nicht auf der Strasse die Macht genommen, sondern an den Wahlurnen genommen und ihn so begraben.

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