Angekommen. Tagebuch einer Ausgewanderten

Die Sache mit dem Schweinefleisch

Gerade zurück aus 2 Wochen Urlaub im Schweinefleischland gibt es immer noch einige Sachen, die mich umtreiben. Inzwischen gibt es ja in allen Discountern eine erstaunliche Auswahl an Wurst- und Schinkensorten ohne Schweinefleisch, was wir auch sehr geniessen. Es gibt luftgetrockneten Putenlachsschinken, Lamm- oder Geflügelsalami, Geflügelbratwurst, sogar die gute alte Fleischwurst hat zu Lebzeiten gegackert. Alles kein Problem mehr für uns, zumal meine Mutter geschmacksmäßig aufgeschlossen ist und nicht unbedingt Schweinefleisch braucht oder aus gesundheitlichen Gründen sowieso lieber zu den mageren Geflügelvarianten greift. Zuhause ist das Essen demnach auch streßfrei.


Draußen sieht das schon anders aus. Ich kann inzwischen so manchen Vegetarier verstehen, der aus Überzeugung kein Fleisch ist und sich dafür ständig verteidigen muss. „Ach komm, das bisschen Schweineschmalz im Essen – sieht ja keiner!“ oder auch gern genommen: „wie jetzt – keine Gelatine? Ist das nicht ein bisschen übertrieben?“  Uns geht es dann im Prinzip genauso, nur dass wir dann immer so ein bisschen als doof und rückständig gehalten werden, weil unsere Schweinefleischverweigerung eben nicht lifestylische oder gesundheitliche Gründe hat, sondern eben religiöse. Wir sind Muslime, uns ist es verboten. Punkt. Und zwar in jedweder Form und Dosis. Es spielt keine Rolle, ob in Hundert Tonnen Gummibärchen grade mal ein Kilo Schwein versteckt ist, quasi eine homöopathische Dosis. Es geht ums Prinzip und „ein bisschen schwanger“ ist man ja auch nicht.

So eng, wie wir´s eigentlich müssten, sehen wir es ja nicht wirklich: „eigentlich“ dürften wir ja nur Fleisch- und Wurstwaren essen, die aus „Halal“-Produktion stammen. Also nach islamischem Recht geschlachtete Tiere. Darüber kann man streiten, aber es genügt uns zu wissen, dass ein Produkt nach bestem Wissen und Gewissen schweinefleischfrei ist.

Klar habe ich früher auch Schweinefleisch gegessen, aber eben weils grade da war und auch ein bisschen, weil es eben immer das billigste Fleisch ist. Aber ein bekennender Schweinefleischfan war ich nie. Mit den meisten Wurstsorten konnte man mich eh´ jagen, und die fetten Haxen und Braten haben mich nie angelacht. Höchstens mal eine leckere grobe Bratwurst, Wildschweinbraten, ein Schweinefilet oder Parmaschinken, solche Sachen eben. Deswegen vermisse ich weder etwas, noch ist der Verzicht auf Schweinefleisch mit irgendwelchen Verlustgefühlen verbunden.

Nervig ist nur die ständige Diskutiererei, warum und wieso wir drauf verzichten. Ich denke, jeder Vegetarier kann uns das nachfühlen.

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