Angekommen. Tagebuch einer Ausgewanderten

Hoher Besuch und warme Worte

Aber was sie uns wieder geliebt und gelobt haben gestern!!! Erstaunlich zu erfahren, dass sowohl Polizei als auch Jandarma und natürlich die Stadtverwaltung bis hinunter zur Klofrau Tag und nacht über unser Wohlbefinden und unsere Sicherheit wacht – und warum „Only that you feel happy“, so sagts unser doch ansonsten wirklich sympathischer Landrat Doğan. Ich mag den Mann sowieso, seitdem er öffentlich zugegeben hat, dass seine Frau die Klamotten jeden Morgen rauslegt, damit er sich ordentlich anzieht (auf die Tatsache angesprochen, dass er immer so schick ist) und sagte, er sei der Meinung, der Mann sei das Haupt der Familie – und die Frau der Hals, die sich das Haupt so dreht wie sie will…

Worum genau es bei dem Projekt geht, hat allerdings keiner der Anwesenden so richtig erklärt, vermutlich einfach um den Kuschelfaktor, schliesslich sind die meisten der etwa 39.000 Ausländer mit Aufenthaltserlaubnis im Raum Antalya meist Devisenbringer und keine schnöden Billigarbeiter. So wirklich handfest scheint sich allerdings niemand darum zu kümmern, das sieht man ja bei den Querelen rund um unsere entzückende Krankenversicherung…. Ausländer müssen sich versichern, Ausländer kriegen keinen Versicherungsschutz ohne Abmeldung aus Deutschland (die übertragenen Beiträge der deutschen Kassen werden aber ganz bestimmt auch zurücküberwiesen, tststs) und dergleichen kleiner und größerer Ärgernisse mehr. Es wäre ja schon mal ein Anfang, die Müzekart, die für 20 TL im Jahr zum freien Eintritt in alle Museen und Sehenswürdigkeiten berechtigt, auch an Ausländer mit Ikamet abzugeben. Kriegen wir aber nicht. Wahrscheinlich, weil die Museen schon mit Türken überlaufen sind, die ja bekanntlich im Schnitt 1,7 Museen im Jahr besuchen (soviele? Das überrascht mich jetzt doch).

Nun ja, ich bin abgeschweift. Nach den Blumen gabs noch Schnittchen und ausländische Mitbürger, die sich brav in einer Schlange am Buffet anstellen, mißtrauisch beäugt vom Personal. Das kennt man ja sonst nicht so, wenn´s was umsonst gibt. Aber unsere Ausländer sind hier ja alle All-inclusive-Buffettschlangen-geeicht, da ist nix mit Teller schnappen und vordrängeln. Sehr lästig. Ich stelle fest, dass ich mir diese türkische Angewohnheit schon angeeignet habe und mich ärgere, dass ich mich anstellen muss. Als ich endlich dran war, war das Buffet leer bis auf einige fettige Hackfleischbällchen und superleckere Feigenröllchen in Sonnenblumenkernen gerollt… leider habe ich das dann auch vom Teller gemopst bekommen.

Aber eins muss ich doch sagen – es macht schon Spass, vor allem mit den vielen anderen „Neu-Alanyanern“, bei denen die Deutschen doch erstens in der Minderzahl sind und zweitens den Altersschnitt arg heben, zu quatschen. Und der Klarinettist, ein würdiger Herr, an dem rein optisch ein kleiner Mollah verloren gegangen ist, hat wieder super Musik gemacht. Man kennt ihn aus dem Park Orman…

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