Angekommen. Tagebuch einer Ausgewanderten

Wer soll das bezahlen?

Die Saison beginnt und die Langzeiturlauber sind zurück, die die Türkische Riviera nicht als Endpunkt ihrer Reise ansehen, sondern während ihres Aufenthalts dann auch immer wieder Ausflüge machen. Auf eigene Faust loszuziehen ist nicht jedermanns Sache, mancher traut es sich nicht zu; mancher möchte einfach nicht alleine los, weil das zu langweilig ist.

Hier haben die Reisebüros – und natürlich auch „unser Freetime“ in den letzten Jahren sich neue Touren einfallen lassen – die leider oft in der Versenkung verschwinden, weil sie nicht zu halten sind. Woran liegt das? Man sollte meinen, dass die Langzeiturlauber und Residenten ein alternatives Angebot zu den immer gleichen Jeepsafaris und Bootstouren zu schätzen wissen. Das wissen sie wohl auch, nur ist den wenigsten bewusst, dass eine solche alternativ organisierte Tour ohne Shopping, Verkaufsveranstaltung oder lustiges Ringelpiez im Nomadenzelt mit überteuerten Getränken eben nicht für 15 Euro pro Nase zu bekommen ist.

Die Standardtouren rechnen sich nicht über den Tourpreis für den Einzelnen, sondern erstens über die Menge und zweitens hauptsächlich über die Nebeneinnahmen. Bei den überall angebotenen Kappadokientouren gibt es teilweise sogar „Kopfprämien“ pro Tourist, der in die Teppichfabrik gebracht wird. Das ist auch in Ordnung so, denn für viele ist es ein tolles „Schnupperangebot“, um dann beim nächsten Mal eine richtige Tour zu machen. Dass man bei höheren Preisen lieber doch selbst fährt, sich Freunde sucht und dann zusammen die Tour macht, dagegen ist nichts einzuwenden.

Allerdings stellen wir immer wieder fest, dass einige in Alanya aus der Tourveranstaltung ein lukratives Nebengeschäft machen – was kann schon passieren? Bei einer Kontrolle sagt man eben einfach „Wir sind Freunde und machen zusammen einen Ausflug“ – nachprüfen, wie oft man eine Tour macht und wieviel der Organisator der Tour draufschlägt, lässt sich es nicht. Die Einsicht, dass bei einem Unfall (eine dumme Angewohnheit der Versicherungen, da sie ungern ihrer Leistungsverpflichtung nachkommen) recht tief geschürft wird, kommt dann im Ernstfall zu spät; denn da sieht es mit dem Versicherungsschutz gleich mal ganz mau aus, der Begriff „gewerbliche Tätigkeit“ ist in der Türkei sehr eng gefasst. Das kann man leicht daran erkennen, dass der Paketversand schon als gewerblich – und zu versteuern – eingestuft wird, wenn pro Jahr mehr als 5 Pakete vom gleichen Absender an dieselbe Person geschickt werden. Lässt sich dann recherchieren, dass einer der „Teilnehmer“ einmal im Monat – am besten noch dieselbe Strecke – mit einem jeweils wechselnden Freundeskreis Touren unternimmt, wird recht schnell eine Gewinnerzielungsabsicht unterstellt. Nicht zuletzt wurde in den letzten Jahren die Flut der Bestimmungen und Kontrollen immer größer, sodass Reisebüros immer höhere Fixkosten haben. Die „illegalen Veranstalter“ haben weder die Kosten für die Büroräume, noch für die Versicherungen. Lizensierte Reiseleiter machen eine lange Ausbildung durch und kosten viel Geld. Seit einigen Jahren wird akribisch geprüft, ob auch wirklich für jede Buchung eine Rechnung ausgestellt und versteuert wird. Dass sich trotzdem viele dazu berufen fühlen, als Quasi-Reiseleiter zu agieren, müssen die Agenturen in Kauf nehmen und das werden sie wohl auch nicht ändern. Es geht nicht nur um den fehlenden Versicherungsschutz oder um fehlende Lizenzen, es geht letztendlich doch auch darum, dass eine solche Tour auch eine Menge an Organisation und Vorbereitung erfordert. Leider sind es gerade die individuellen Touren zu besonderen Orten, die sehr schnell „kopiert“ und dann eben ohne die entsprechende Lizenz von einzelnen Personen organisiert und durchgeführt werden – denn die 08/15 Touren wie Jeepsafaris, Rafting oder Bootstouren sind so durchorganisiert, dass ein privater Anbieter weder die Möglichkeit noch die Mittel hat, die Billigpreise der wenigen großen Operators zu toppen.

Die kleinen, engagierten Veranstalter, die die Wintermonate nutzen, um für interessierte Urlauber besondere und ausgefallene Touren anzubieten, haben den Hauptschaden. Denn diese individuellen Touren , die „nur“ einen Kleinbus, Fahrer und Reiseleiter benötigen und kein weiteres Equipment, lassen sich scheinbar sehr leicht nachahmen, auch wenn im Hintergrund vieles fehlt oder nicht stimmt. Letztendlich muss es aber jeder für sich selbst entscheiden, ob sein Unrechtsbewusstsein es zulässt, wegen ein paar Euro einen – um es deutlich zu sagen – illegalen Veranstalter zu bevorzugen.

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