Angekommen. Tagebuch einer Ausgewanderten

Welttag der Muttersprache

Im Jahr 1999 beschloss die UNESCO den 21. Februar zum „Internationalen Tag der Muttersprache“ zu ernennen. Dieser Tag soll erinnern, dass die ungefähr 6000 Sprachen, die auf unserem Planeten gesprochen werden, geschützt werden müssen.

Also heute. Über die Muttersprache – wie bei so vielem – macht man sich ja eigentlich nur Gedanken, wenn sie nicht so ganz selbstverständlich das Alleinstellungsmerkmal hat. Gerade bei vielen binationalen Familien ist das aber naturgemäss ein großes Thema. Über die Phase „wie sprech ich mein Kind an“ sidn wir ja mittlerweile hinaus.Wir haben uns für das Konzept „Eine Person, eine Sprache“ entschieden: Papa spricht türkisch und wird türkisch angesprochen, Mama spricht deutsch und wird deutsch angesprochen. Bis ungefähr 6 Jahre sollte man das auch unbedingt konsequent durchhalten, bis die Kinder in der Lage sind, zu erfassen, dass es eben nicht einfach 2 Bezeichnungen derselben Sache sind, sondern verschiedene Sprachen. Danach kann man ruhig ab und zu ein bisschen schludern („Maaama, wo sind meine Çorap???“ – „Dolapta, mach die Augen auf“) und natürlich schleichen sich auch gelegentlich Dinge ein, die in jeder der beiden Sprachen falsch sind…. solange das wirklich nur gelegentlich ist, kann man darüber schmunzeln und es als Anekdote abheften. Generell sollte man sich aber natürlich schon bemühen, dass die Muttersprache – und auch die Vatersprache, klar – möglichst „rein“ erhalten werden. Man kann schon mal mischen, oder auf deutsche Fragen türkisch antworten oder umgekehrt; zu einer generellen Mischmaschsprache sollte es natürlich nicht werden.

Ein Unterschied fällt mir aber auf: während bei deutsch-türkischen Familien (egal ob in Deutschland oder in der Türkei) oft eher die türkische Sprache die „schwache“ Sprache ist, haben Familien, die im englisch- oder spanischsprachigen Ausland leben, oft eher Probleme mit den Deutschkenntnissen ihrer Kinder. Nun tun sich sicher viele (wie ich auch) mit türkisch schwer, da es ja wirklich keine einfache Sprache ist. Andererseits tun sich viele türkische Lehrer (und nicht nur die älteren an staatlichen Schulen, wie man hört) mit dem Konzept der bilingualen Erziehung schwer. Bei einigen scheint das aber eher mit einer gewissen, sagen wir mal, nationalistischen Einstellung einherzugehen, bei anderen ist es schiere Bequemlichkeit. Denn trotz aller Bemühungen haben die meisten bilingualen Kinder doch gewisse Defizite in beiden Sprachen. Wenn man da nicht aufpasst, kommt es wirklich soweit, dass keine der beiden Sprachen weitgehend perfekt beherrscht wird.

Wenn die Lehrer da nicht mitziehen, wird es schnell problematisch – nämlich wenn sie sich aus ideologischen Gründen oder einfach aus Bequemlichkeit weigern, auf das bilinguale Kind einzugehen und ihm Worte, die es nicht versteht, nicht erklären will. Das geht dann soweit, dass eine Lehrerin (wie in unserem Fall) verlangt, dass Mama zuhause kein deutsch mehr sprechen soll. Den Vorteil, den es haben sollte, mit meinen Kindern „Tarzantürkisch“ zu sprechen, konnte sie allerdings auch nicht erläutern. Das Dumme ist ja, dass es bei mir einfach physisch limitiert ist, eine Fremdsprache zu lernen – mein Gehör zeigt mir da deutliche Grenzen auf. Ich muss eine Sprache „sehen“; geschriebenes fällt mir wesentlich leichter (auch bei deutsch, übrigens).

Wichtig ist aber vor allem, dass man den Kindern nicht die Gewohnheit beibringt, eine Sprache „besser“ zu finden oder „lieber“ zu sprechen – wenn das gelingt, ist die Tür zu echter Zweisprachigkeit geöffnet. Einfach ist das aber nicht….

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