Angekommen. Tagebuch einer Ausgewanderten

Bamya (Okra) – geliebt oder gehasst??

Okraschoten werden in der Türkei fast immer ganz klein geerntet – die besten sollen angeblich „Fingernagelgrösse“ nicht überschreiten. Sie sind ausgesprochen gesund, lecker und kalorienarm. Dass sie oft dennoch mit einem „BÄH“ abgelehnt werden liegt daran, dass sie bei falscher Zubereitung einen Schleim absondern, der die Soße dazu bringt, lange Fäden zu ziehen… zugegeben, dann kostet das Essen wirklich Überwindung! 
Aber mit ein paar Tricks kann man die Absonderung dieses Schleims verhindern und dann sind Okra (türkisch: Bamya) wirklich ein unglaublich leckeres Essen! 

Je kleiner desto besser – aber das „anspitzen“ ist Fummelarbeit.

Die Vorbereitung ist  etwas aufwendig,  aber man muss alle Schritte exakt einhalten, sonst hat man „Slime“. Traditionell sollten die Bamya nicht grösser sein als maximal 2-3 cm; je kleiner, desto besser. 

1. Die Bamya  müssen quasi  „zurechtgeschnitzt“ werden, also der Ansatz wie ein Kegel zugeschnitten werden – aber auf keinen Fall so, dass das innere angeschnitten wird, sonst tritt der Saft aus und die Soße wird schleimig. Dem Geschmack tut das zwar keinen Abbruch, aber es ist einfach unappetitlich. 

Vorschriftsmässig angespitzte Bamyas

2. Die zurechtgeschnittenen Bamya  in Zitronen-Salzwasser ca 30 Minuten wässern. 
3. Zwiebeln und ca 200 gr kleingeschnittenes Lammfleisch scharf anbraten, Tomatensalca *) dazu, anschliessend nach Geschmack  Salz und Pfeffer.

auch wenn sie noch so schön ist: weg damit. Angeschnitten…

4. Mit passierten Tomaten und Wasser ablöschen und schmoren, bis das Fleisch weich ist
    (als Basis-Sauce mach ich das oft auf Vorrat und friere es ein)
5. Jetzt kommt der wichtigste Trick: Die Bamya müssen in reichlich Olivenöl gebraten werden – am Anfang ziehen sie glasige Fäden (deswegen essen die meisten keine, weil das doch ziemlich eklig ist) und man muss sie so lange unter ständigem Rühren braten, bis die Fäden weg sind. 

6. Dann wird die Fleischsauce drüber gegeben und alles noch ca 10-15 Minuten auf kleinster Flamme geschmort. Man kann sie dann noch mit Knoblauch, Pulbiber und etwas Minze abschmecken.

Das fertige Gericht nennt sich Etli Bamya (Okra mit Fleisch) und wird mit Reis oder frischem Weißbrot gegessen. Es eignet sich auch hervorragend zum Einfrieren und Aufwärmen. 

*) Echte türkische Tomatensalca ist etwas anderes als das Tomatenmark, das man in den Tuben im Supermarkt bekommt. Erstens ist sie gesalzen, was sie quasi unbegrenzt haltbar macht. Zweitens ist Salca sehr viel konzentrierter und fester – man muss sie oft mit heißem Wasser erst anrühren, sonst hat man später Probleme, die Salca in der Soße aufzulösen. Drittens ist der Geschmack auch sehr viel intensiver, weil echte Salca nach dem Kochen noch an der Sonne trocknet, weswegen sie auch nicht leuchtend rot wie das Mark aus der Tube ist, sondern eher rotbraun. Außerdem hat es die eher unerwüschte Eigenschaft, Plastikschüsseln kräftig und nachhaltig einzufärben – also besser mit Glas- oder Metallschüsseln arbeiten. In Deutschland bekommt man sie in türkischen Supermärkten. Man sollte darauf achten, dass „ev tipi“oder „ev yapımı“  (nach Hausfrauenart) drauf steht. 

 

Das Fleisch schmort man am besten schon an, bevor man mit dem Zurechtschnitzen der Bamyas beginnt.
Die gewässerten Bamya müssen solange gebraten werden, bis keine „Fäden“ mehr sichtbar sind.

Aus der Reihe: völlig sinnlose Küchengeräte: ein Okraschotenanspitzer.

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