Angekommen. Tagebuch einer Ausgewanderten

Gestatten, Paul

Multicooker Slowcooker

Multicooker SlowcookerDas ist Paul. Paul hat seinen Namen nach dem berühmten Koch aus Frankreich und er ist letztes Wochenende in meiner Küche eingezogen, um mir als Küchenhelfer zu dienen. So stelle ich mir das vor: Paul wird gefüttert und programmiert, und während er in der Küche knechtet, bleibt mir Zeit für andere Dinge. Zum Fotografieren zum Beispiel. Oder zum Bloggen. Der erste Test war sehr vielversprechend, um nicht zu sagen ein voller Erfolg. Oder um es mit meinem Mann zu sagen: „Nicht schlecht“.

Interessant ist bei diesem Modell, dass man zwar die festen Programme vorwählen kann, aber noch an den Zeiten schrauben oder zwei Programme kombinieren kann. Aber das wäre dann schon Multikochen für Profis. Dat krieje mer spääder.

Also nun erst mal unser Lieblingsgericht: Manschipanschi – sprich Eintopf mit viel Gemüse und Fleisch, auf türkisch „sulu yemek“ – Essen mit Wasser. Ein sehr schnöder Name für ein deftiges, sättigendes und unglaublich aromatisches Essen, das einfach aussieht, aber sehr viel Fingerspitzengefühl braucht… bei mir sind also immer entweder die Auberginen oder  Zucchini vermatscht oder das Fleisch noch zäh. Es sei denn, ich koche erst aufwendig eine Art Gulasch und das Gemüse separat oder ich habe doch wieder eine dicke Soße, die zwar lecker schmeckt, aber nicht original türkisch ist – eben weil es eben keine tomatige, aromatische aber eher dünnflüssige Brühe ist, sondern eben – Soße.
Nun also der Versuch mit dem, was mir so aus dem Froster entgegen fiel (wenns nix wird, auch nicht schlimm) – eine schon monatelang offene Packung TK-Gemüse (Tomaten, Okra, Kartoffeln, grüne Bohnen, Paprika…) aus der Metro und ein halbes Pfund Lammfleisch. Fleisch kleingeschnitten und in den Topf geworfen, das gefrorene Gemüse abgespült und dazugeschmissen, ordentlich Olivenöl drüber, ca 500 ml Wasser mit 2 EL Tomatenmark vermischt und reingekippt, Salz, Kräuter, Klappe zu. Auf 3 Stunden GÜVEC gestellt und Tochterkind geschnappt zur Fototour. Nach 2 Stunden nachhause gekommen und Wohnung duftet nach Eintopf. Tisch gedeckt, gegessen. Wunderbar.

Beim Ausmessen habe ich festgestellt, dass nach 30 Minuten das Essen auf 85 Grad aufgeheizt ist, es siedet also gerade so vor sich hin. Das Fleisch war butterzart und sogar die gefrorenen Zucchini hatten noch einigermaßen Biss… das Aroma war überraschend gut, obwohl das Gemüse ja schon mindestens 4 Monate im Gefrierschrank vor sich hin gefrierbrandet hat. Ich dachte halt, wenn es nichts wird, ist es nicht schade drum. Aber es war wirklich GUT.

Und das Brat-Aroma???
Das einzige Manko dieser Teile ist ja, dass man Fleisch gesondert anbraten muss, wenn man die leckeren Röstaromen haben will. Das ist dann wieder doof, weil man dann doch wieder mit extra Pfanne rumhantiert. Geht aber auch einfacher… Indem Ihr Euch „Fertig-Röstaroma“ selber macht. Ihr braucht dazu entweder (für die Schweinefleisch-Verzehrer) grünen Speck, Nierenfett vom Kalb (das heisst so, weil es die Niere umhüllt, es ist ziemlich geschmacksneutral) oder – besonders lecker für Lamm-Fans – reines Lammfett aus dem Schwanz der türkischen Fettschwanzschafe (gibts in in Deutschland in guten türkischen Supermärkten mit Metzgerei, in der Türkei kaufen Sie bitte Kuyruk yağı beim Metzger ihres Vertrauens…)

Das Fett einfach in möglichst kleine Würfel schneiden (geht am besten angefroren) und in einer stabilen Pfanne ausbraten. Das reine fett durch ein feines Sieb (oder Leinentuch) in Gläser abseihen und gleich verschliessen, hält sich ewig. Die verbliebenen Grieben salzen, noch mal schön braun anbruzzeln und nach dem erkalten mit einem Zerkleinerer so fein wie möglich hacken, ggf. anschliessend noch mit etwas Fett verrühren. Sollte eine hellbraune Masse sein. Diese kann man jetzt entweder auf ein Blech verstreichen und in Stücke schneiden oder in einen Eiswürfelbehälter tun. Wer´s ganz raffiniert will, kann noch vor dem Erkalten des Fettes Zwiebeln ganz fein schneiden und separat in etwas Fett rösten und diese dann unterrühren.

Wenn man nun statt Öl in den Multicooker oder Slowcooker 1-2 Würfel dieser „Fettmasse“ gibt, hat man erstens genügend Fett als Geschmacksträger und zweitens einen tollen „Bratengeschmack“ ohne eine Pfanne und den Herd zu verkleckern. Geschmacklich macht es KEINEN Unterschied, ob man das Fleisch selbst anbrät oder die Röstwürfel benutzt.

Fritieren soll Paul übrigens auch können. Und Kuchen & Brot backen… und Joghurt. Und dampfgaren. Und Reiskochen. Wird eins nach dem anderen abgehakt…. Ach ja, Paul ist von der Gattung Multicooker der Marke SİNBO SCO 5037.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


CAPTCHA
Refresh

*