Angekommen. Tagebuch einer Ausgewanderten

Fasten – das kann doch nicht gesund sein.

27. Juni 2014Martina0

IMG 0344Alljährlich schiebt sich der Ramazan, der Fastenmonat, um 11 Tage weiter nach vorne ins Jahr, weil er nach dem Mondkalender berechnet wird und nicht nach unserem “normalen” Kalender. So wandert er in etwa 30 Jahren komplett durch einen Jahreslauf. Naturgemäss kreuzt der Fastenmonat dann auch einige Jahre den Sommer – und schon geht die Sorge um die Gesundheit der Muslime los… was? Du fastest?? Das ist ja verantwortungslos bei der Hitze, nix essen geht ja noch, aber nix trinken!! Also man sollte schon etwas auf seine Gesundheit achten, nur wegen so´nem religiösen Quatsch seinem Körper schaden!!!” Sprachs und nahm einen tiefen Lungenzug aus der Zigarette.

Um es mal ganz klar auszudrücken (gilt auch für viele Muslime, die nur aufgrund gesellschaftlichen Drucks fasten): wer den Sinn des Fastens nicht begreift, für den bedeutet Ramazan nur Hunger und Durst.

„Das kann doch nicht gesund sein!“

Die Antwort ist einfach: das ist es auch nicht. Behauptet auch keiner…. Es ist gerade jetzt im Juni, wo in der Türkei die Fastenzeit über 16 Stunden beträgt, sehr schwer und erfordert viel Disziplin, das ist wahr. Vor allem das fehlende Trinken bei Sommerhitze finden viele verantwortungslos. Dabei wird der Flüssigkeitshaushalt genauso stabil gehalten, wenn man eben zwischen abends und morgens trinkt, statt zwischen morgens und abends. Sehr schweisstreibende Aktivitäten können allerdings tatsächlich zu Problemen führen, wenn auch nicht unbedingt zu (bleibenden) gesundheitlichen Schädigungen – das ist auch gar nicht gewollt.

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Wurde die Intelligenz abgeschafft? Oder Sankt Martin? Oder was??

15. November 2013Martina0

Geradezu unglaubliches scheint gerade in Deutschland vorzugehen, glaubt man den Online-Zeitschriften und den sozialen Medien… dass Zigeunersoße und Negerkuss nunmehr anders heissen sollen, um nicht die Gefühle von Minderheiten zu verletzen, mochte man ja gerade noch verstehen… obwohl sich mir die Diskriminierung durch diese durchaus sehr leckeren Lebensmittel nicht wirklich [weiter…]

Das Kopftuch! Das Kopftuch!!!!

18. Oktober 2013Martina0

Anfang Oktober wurde das lange erwartete  Demokratiepaket für die Türkei verabschiedet, und als wir das morgens um 10 live im türkischen TV verfolgten, schwante mir schon „Oje – da wird es wieder nur ein Thema geben in den deutschen Medien“… und siehe da „Eilmeldung: Türkei erlaubt Kopftuch im Staatsdienst“ durfte man nur kurz darauf in führenden deutschen Onlinemedien lesen. Der Beißreflex funktionierte wieder einmal wunderbar, etwas wichtigeres als die Aufhebung des Kopftuchverbots schien das Paket nicht zu enthalten, dieser Eindruck wurde erweckt. Dass dabei die Aufhebung eines Verbots als Einführung eines neuen Zwangs dargestellt wurde, ist dann nur noch je nach Medium eine mehr oder weniger elegante Volte. 

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Kein Humba-Tätärää mehr!

30. September 2013Martina0

Gut, man könnte jetzt sagen, ich bin in einer Zeit der Friedensbewegung und Pazifisten groß geworden, ich kann das nicht verstehen. Will ich auch gar nicht. Mir ist dieses militärische Getue in der Türkei zuwider: Panzerparaden am Tag der Jugend, militärische Parolen für Erstklässler, marschieren üben im Gleichschritt beim Sportunterricht, Märtyrer hier, Gefallene da. Der Krieg wird verherrlicht und ein Junge, der nicht zum Militär geht, wird nicht für voll genommen.
Man kann Atatürk Respekt zollen, aber Erwachsene, die am Todestag des Staatsgründers nach Ankara reisen und heisse Tränen in seinem Mausoleum vergießen, sind mir suspekt. Genauso suspekt sind mir in der Türkei lebende Ausländer, die ständig den Spruch “Atatürk würde sich im Grabe rumdrehen” im Munde führen und eifrig an der Verherrlichung mitstricken.

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das war’s dann mit dem Visum

29. September 2013Martina0

Der Europäische Gerichtshof hält an Beschränkungen des Zuzugs von türkischen Staatsbürgern in die EU fest, selbst wenn dies der Dienstleistungsfreiheit widerspricht. Jedes Mitgliedsland kann laut einem Ende September gefällten Urteil die Zuwanderung von türkischen Staatsbürgern nach eigenem Ermessen einschränken.

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es ist zu heiss….

15. August 2013Martina0

Auch wenn das Klima in diesem Jahr relativ gnädig mit uns hier in Alanya und Umgebung war – die Schallgrenze mit der 4 davor erreichte die Quecksilbersäule nur selten – ist der August nicht wirklich einer der schöneren Monate im Jahreslauf. Erschwerend kam in diesem Jahr doch  hinzu, dass die [weiter…]

Nicht mit Ruhm bekleckert

16. April 2013Martina0

…. haben sich in den letzten Tagen die meisten Beteiligten schon im Vorfeld des sogenannten „NSU-Prozesses“, bei dem bei der Sitzvergabe der 50 Presseplätze kein einziges ausländisches Medium – und ich schreibe hier bewusst ausländisch, nicht türkisch – zum Zuge kam.
Das Oberlandesgericht München schon nicht, das erstens keine Notwendigkeit sah, für türkische Medien einige Sitzplätze zu reservieren und sich zweitens absolut unflexibel zeigte, als sich herausstellte, dass man nicht nur in einen Fettnapf erster Qualität getreten war, sondern auch  das Akkreditierungsverfahren fehlerbehaftet war. Wie sich nämlich herausstellte, wurde Jourmalisten, die mehr oder weniger zufällig in der Woche vor der Bekanntgabe anriefen, angekündigt, dass die Akkreditierungsmail wohl „am Montag um 8 Uhr“ herausgegeben werde – und das, nachdem das Gericht in einer Pressemeldung vorab darum gebeten hatte, von Nachfragen abzusehen. [weiter…]

Von Opfertieren und anderen Schnitzeln

30. Oktober 2012Martina0

Das muslimische Opferfest ist gerade „überstanden“, im ganzen Land gab es wieder unzählige Verletzte zu beklagen, die türkische Presse hat den schönen Begriff „Acemi kasap“ geprägt, was soviel bedeutet wie „Metzgerlehrling“…. Zur Belustigung der Zuschauer wurden am ersten Abend des Opferfestes – alle Jahre wieder –  in den Nachrichten Szenen wie in einem Cowboyfilm gezeigt, weil verzweifelte Möchtegern-Metzger versuchen, der wildgewordenen Möchtenichtgern-Opfertiere wieder habhaft zu werden, die sich partout ihrer religiösen Pflicht entziehen wollen, und sei es durch wilde Flucht durch die Innenstadt. Verfolgt werden sie von jenen, die zwar das Geld für ein (prestigeträchtiges) Rindvieh haben, aber für den professionellen Metzger dann zu geizig waren und, den Geboten der Religion folgend, als Familienoberhaupt selbst zum Schlachtmesser greifen wollen. Das tun sie aber ungeachtet der Tatsache, dass zu Zeiten Abrahams jedes Familienoberhaupt zwingend Übung im Schlachten hatte, da man seine Köfte nicht im Supermarkt erstehen konnte. [weiter…]

Was hat Syrien mit Tierschutz zu tun?

11. Oktober 2012Martina0

Manchmal passiert einfach nichts, was mich so beschäftigt, dass ein Editorial draus wird (dann schreibt man meistens übers Wetter, das ist immer) – doch manchmal sind es soviele Themen, die mir unter den Nägeln brennen, dass es schwer ist, mich zu entscheiden. So in den letzten beiden Wochen – gut, [weiter…]

Ein Video geht um die Welt…

21. September 2012Martina0

Seit einigen Tagen, genauer gesagt seit dem 11.September -ein denkbar (un)passendes Datum- sorgt ein Video für weltweiten Aufruhr, das aufgrund seiner “Qualität” besser dort geblieben wäre, wo es monatelang herumgedümpelt ist: in den Tiefen von Youtube, wo noch ganz andere Verbrechen gegen die Filmkunst ein unbeachtetes Dasein fristen.

Warum dieses Video nun ausgerechnet jetzt, mit offensichtlich von den Darstellern so nicht gewollten Texten unterlegt, für einen solch wütenden Aufschrei sorgt, ist mir absolut schleierhaft. Genauso schleierhaft ist mir aber auch, wie sich ein denkender Mensch von einem so dummen Machwerk so aufstacheln lässt, dass er bereit ist, anderen Menschen zu schaden. Inzwischen gehören ja insbesondere in Pakistan auch Muslime zu den Opfern. Das ist eine so verquere Eskalation (auf beiden Seiten), dass man wirklich nicht weiss, wo man da anfangen soll. Es sind immer wieder die gleichen Bilder, die gezeigt werden, eng gefasste Ausschnitte mit 3-5 schreienden, hasserfüllten Männern mit zuppeligen Bärten und schmuddeligen Turbanen, im Hintergrund weichgezeichnete Menschen, es können 10 sein oder 100 oder 1000. Wenn man sich wie ich regelmäßig intensiv mit Photoshop beschäftigt, fragt man sich schon, wie die Originalaufnahme ausgesehen haben könnte.

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Dumm, naiv oder ignorant?

17. September 2012Martina0

In den letzten Tagen machten wieder mehrere Vorfälle Schlagzeilen, deren „Urheber“ es doch teilweise sehr an, sagen wir mal , Landeskenntnis und Einfühlungsvermögen fehlen liessen. Nein, es geht nicht schon wieder um die Bikinschönheiten, die hatten wir ja schon. Die ersten beiden Vorfälle gingen für die Beteiligten mehr oder weniger glimpflich aus, es hätte aber auch anders enden können: zuerst fanden es zwei norwegische junge Männer eine echt tolle Idee, sich vor dem Atatürk-Denkmal zu fotografieren. Das ist ja auch soweit kein Problem, das tun täglich Touristen. Nur  meinten die beiden Jungs, es sei besonders originell, auf die Statue des Staatsgründers zu klettern und die Hosen runterzulassen – und dies zu fotografieren. Gut, es war Nacht, sie waren betrunken – aber wie ahnungslos kann man sein, um auf eine solche Idee zu kommen? Die Türken pflegen keinen sehr entspannten Umgang mit Beleidigungen von Atatürk, die beiden Norweger hatten sehr viel Dusel, dass sie nur ein Bußgeld zu zahlen hatten und umgehend abgeschoben und zur Persona non grata erklärt wurden. Auch einen jungen Dänen, der nur ein paar Tage später gegen das Denkmal urinierte, ereilte das gleiche Schicksal. Dass in der gleichen Nacht Betrunkene mit Eisenstangen ein Auto demolierten, ist da fast schon eine Marginalie.
Wie ahnungslos kann man eigentlich sein, wenn man nicht weiss, was in der Türkei Atatürk für eine Bedeutung hat – und lässt die Finger von solchen Mätzchen? Andere Länder, andere Sitten – mir doch egal, Hauptsache Party? Anscheinend schafft es Alanya nach wie vor nicht, die sogenannten „Qualitätstouristen“ anzulocken. Zumindest nicht im Juli-August.   Obwohl es für mich eigentlich unbegreiflich ist, wo jemand seine Erziehung genossen hat, der an einem offensichtlich zentralen Platz, an einer großen Statue mit jeder Menge Flaggen und Lametta, meint, sich erleichtern zu können? Aber da ist er ja in bester Gesellschaft, in Europa ist das ja selbst in Adels- und Schauspielerkreisen sehr beliebt, das Pinkeln an unpassenden Orten. [weiter…]

Die Macht der Kommentatoren…

4. Juli 2012Martina0

.. kann heutzutage das Bild eines ganzen Volkes verändern, und damit meine ich nicht die „angestellten“ Kommentatoren in den Medien, die  sich mehr oder weniger klug und mehr oder weniger fundiert zu brennenden Themen äussern. Ich meine die Kommentatoren in den unvermeidlichen „Kommentarspalten“ in den Online-Medien.  Mal ehrlich: wann haben [weiter…]